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September 2013 / Bielefeld

Kunst in die Schulen

Wenn die Kunst die Richtung wechselt

Die Grundidee unseres neu entwickelten Projekts ist die Heranführung der Kinder und Jugendlichen an Kunstwerke der Malerei auf eine leise, unaufdringliche, zufällige Art. Die Betonung liegt auf der ästhetischen Wahrnehmung. Ästhetik als die Lehre von der schönen und zweckfreien Gestaltung hat einen eigenen Wert, unabhängig von ökonomischer Verwertbarkeit. Auch dies ist ein Bildungsauftrag: sich Zeit nehmen für die Wahrnehmung von zweckfreier Schönheit. Jedes Kind, jeder Jugendliche braucht Zeit für sich selbst, für sein lebensnotwendiges Bedürfnis nach zweckfreien Räumen und Momenten, mitten in seinem von Tempo  und Effektivität bestimmten Lebensalltag. Genau diesem Bedürfnis will unser  Projekt entgegenkommen. Schiller erkannte schon vor mehr als 200 Jahren: »Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.«  (Friedrich Schiller, Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795), 15. Brief).
Fast jeder erinnert sich an ein Bild aus der Kindheit – in der Wohnung der Oma oder der Nachbarin – das ihm ans Herz gewachsen ist und das er noch heute mit allen Details in Erinnerung hat. Die Tatsache, dass Menschen unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf ihre unmittelbare Umgebung richten, soll genutzt werden, um Kindern die Möglichkeit zu geben, sich mit Gemälden vertraut zu machen.
Dafür müssen sie in keine Ausstellung und in kein Museum gehen, sondern die Kunst wechselt die Richtung und kommt zu ihnen in ihre Schule. Sie können die Details in einem Gemälde von Monet oder Klee betrachten, während sie vor dem Musikraum auf ihre Lehrerin warten oder in der Mensa in der Schlange stehen.

Die Zielgruppe dieses Projekts sind Schüler und Schülerinnen aller Schulformen von der ersten Klasse bis zum Schulabschluss. Sie sollen mit bekannten Gemälden der vergangenen Jahrhunderte von der Antike bis zur zeitgenössischen Kunst in Kontakt kommen.
Langfristig nehmen die Kinder die Kunst in sich auf, erkennen sie wieder, interessieren sich dafür und verlieren Berührungsängste. Kurzfristig gewinnt dabei auch das Schulumfeld durch die Gestaltung und Verschönerung des Gebäudes mit Kunstwerken an Schönheit.
Vielleicht wird die Kunst sogar einen Platz in ihrem Leben und in ihrem Herzen bekommen und gibt manchen Kindern den Mut, sich mit Dingen zu beschäftigen, die über ihren von Schnelligkeit und Effektivität bestimmtem Alltag in unserem Informations- und Medienzeitalter hinausweisen. Vielleicht auch hier ein Richtungswechsel?
Wir freuen uns sehr, dass wir Christiane Heuwinkel von der Kunsthalle Bielefeld für eine Kooperation gewinnen konnten. Sie war von der Projektidee sofort begeistert und unterstützt uns, indem sie uns jederzeit als Ansprechpartnerin und Beraterin in fachlichen Fragen zur Verfügung steht.
Wir starteten mit zunächst vier Bielefelder Pilotschulen im Schuljahr 2013/2014 unser Projekt. An diesen Schulen fanden bereits Vernissagen mit tollem Programm statt. Mit dabei sind die Stiftsschule in Schildesche, die Westkampschule LWL-Förderschule Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation in Senne, die Gesamtschule Rosenhöhe in Brackwede und das Max-Planck-Gymnasium in Bielefeld-Mitte.
Die Andreas-Mohn-Stiftung stellt jeder Schule eine thematisch zusammengehörige Ausstellung von sechs Bildern als gerahmte Kunstdrucke für ein Jahr als Leihgabe zur Verfügung.
Wir besprechen mit den Schulen die Auswahl der Gemälde und suchen zusammen mit ihnen einen Ausstellungsort in der Schule aus, der sich besonders gut eignet und die Gemälde für möglichst viele Schüler und Schülerinnen gut zugänglich macht.
Nach Ablauf des Jahres wandern die Bilder weiter zur nächsten Schule. Die dadurch entstehenden Leerstellen gehören zum Konzept. Sie sollen Stagnation vorbeugen und weitere Prozesse der Beschäftigung mit Kunst und Ideenentwicklung in Gang setzen.

Perspektivisch wünschen wir uns die Übernahme der Projektidee an möglichst viele Schulen bundesweit, um vielen Kindern den niederschwelligen Zugang zu Kunst zu ermöglichen. Die Einbeziehung von interessierten Kooperationspartnern auf kommunaler, Landes- und Bundesebene ist daher vorgesehen.
Wir freuen uns ganz besonders über die Offenheit und spontane Begeisterung für die Projektidee, die wir bei allen, denen wir Kunst in die Schulen bisher vorgestellt haben, erleben durften. Zeigen wir den Kindern und Jugendlichen, dass es andere Dinge als nur das effektive, ökonomische Funktionieren im Alltag gibt und dass sich Menschen um sie bemühen, sie wichtig nehmen und sich darum bemühen, ihre Welt schöner und lebenswerter, schlicht menschlicher zu gestalten.
Wir sind schon gespannt auf die nächsten teilnehmenden Schulen – auch dort erwarten uns Ausstellungen mit einer neuen und überraschenden Auswahl an Bildern. Keine Schule ist wie die andere und jedes Bild unseres Projekts ist einzigartig, so wie die Kinder und Jugendlichen, für die wir dieses Projekt machen!

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Projektleitung
Gudrun Donicht
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Zeitraum
seit September 2013
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in Kooperation mit
Christiane Heuwinkel, Kunsthalle Bielefeld
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